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 Der junge Jakob

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BeitragThema: Der junge Jakob   Mo Aug 03, 2009 3:15 am

Morrsleib stand voll am Himmel und hüllte alles in einen eigentümlichen grünen Schimmer. Von Mannsleib war keine Spur am Firmament zu sehen. Schnellen Schrittes lief ein junger Mann den schmalen Feldweg entlang. Er hatte das Grauen gesehen und musste den Dorfbewohnern davon erzählen.
Es war spät in Brockdorf und im „Lachenden Wolf“ waren nur noch die treusten Gäste.
Der übergewichtige Wirt schlug gerade seinen kleinen Gong um die letzte Runde auszurufen, als plötzlich die Tür der Schänke aufflog und die kalte Nachtluft in den verräucherten Gastraum strömte.
Der Wirt blickte den Jungen in der Tür mürrisch an. “Verdammt Jakob, mach die Tür zu! Du lässt ja die ganze verfluchte Wärme raus!“
„Tut mir leid, aber ihr werdet nie erraten was ich vorhin gesehen habe!“ brach es aus dem Jungen hervor.
„Du sollst die verdammte Tür zumachen, hab ich gesagt!“ polterte der Wirt.
Hecktisch schloss Jakob die Tür „Ja, ja, tut mir leid. Aber ich muss euch was erzählen! Die Zwerge greifen an!“
Plötzlich war es totenstill in der Schänke und die verbliebenen Gäste blickten Jakob verwirrt an.
„Blödsinn“ kam es aus der dunkelsten Ecke des Raums. „Wir haben seit unzähligen Jahren Handelsbeziehungen mit den Zwergen. Warum sollten die uns plötzlich angreifen?“ Die Frage kam vom alten Hannes, einem griesgrämigen Mann der aussah, als wäre er nie jung gewesen.
„Hannes hat recht, warum sollten sie das tun?“ fragte der dicke Wirt.
„Woher soll ich das wissen?“ erwiderte der Junge. „Aber ich weiß doch was ich gesehen habe. Mir ist heute Nachmittag ein Lamm weggelaufen und ich hab es bis in die Nacht gesucht. Ich bin die ganze Strecke bis zum Wachturm am Weltrandgebirge gelaufen und da hab ich sie gesehen! Sie haben die Wachtruppen in Stücke geschossen und nieder geritten!“
„Hah! Seit wann haben Zwerge denn Reiter? Ich wusste doch von Anfang an, das deine Geschichte erstunken und erlogen ist!“ brüllte der alte der alte Hannes aus seiner Ecke. „Gert, bring mir mal noch ein Bier“ rief er dem Wirt zu, “damit ich die Lügen von dem Bengel runterspülen kann.“ Sein dreckiges Lachen hallte von den Wänden der Schänke wieder und mehrere der anderen Gäste fielen mit ein.
„Wenn ich es euch doch sage! Aber sie sind nicht auf Pferden geritten, es sah aus als wenn sie selbst vier Beine hätten….wie Monster!“
„Junge, geh lieber nach hause, bevor du dich vollkommen lächerlich machst“ riet ihm der Wirt.
„Nein, ich weiß es klingt verrückt, aber ich habe sie gesehen!“
„Und die mysteriösen Rattenmenschen? Waren die auch dabei? Har! Har!“ fragte Hannes, nachdem der Wirt das Bier vor ihm abgestellt hat und trank es in einem Zug bis zur Hälfte aus.
„Ich bin kein Dummkopf, jeder weiß, das es keine Rattenmenschen gibt.“ erwiderte Jakob. „Aber Grünhäute waren dabei! Sie sind auf Wölfen geritten und haben die Wachtruppen mit ihren Pfeilen beschossen! Und einer von den Zwergen hatte einen fliegenden Stier der Feuer gespuckt hat!“
Langsam erhob sich der alte Hannes von seinem Stuhl und wankte betrunken auf Jakob zu. „Jetzt reicht es aber, Bengel! Sieh zu das du zu deiner Mama kommst, sonst setzt es eine Tracht Prügel! Hast du verstanden?“ Er hob seine Hand und holte aus. In diesem Moment griff der Wirt nach dem Handgelenk des alten Mannes.
„Ihr geht besser beide. Ich will keinen Ärger in meinem Haus.“
„Aber…“ begann Jakob.
„Kein Aber!“ entgegnete der Wirt. „Ihr verschwindet jetzt beide freiwillig oder ich setzt euch höchstpersönlich mit einem Tritt vor die Tür. Verstanden?“

Ein paar hinterhältige rote Augen beobachteten das kleine Dorf aus dem Unterholz. Langsam schälten sich zehn berittene Gestalten aus dem Schatten des Waldes. Die Grünhäute waren die Vorhut und ihre Wölfe knurrten, als sie die Menschen in dem Ort witterten.
„Du reitäst zurück und sachst de Bosse, dass mir noch viel mähr Sklavenz gefundn ham.“ sagte Gorbatz, der Anführer der Späher.
Einer seiner Kundschafter nickte kurz, wendete seinen Wolf und ritt zur Hauptstreitmacht. Gorbatz schaute dem Hobgoblin noch kurz nach und wendete seine Aufmerksamkeit dann wieder dem schlafenden Dorf zu.
Zwei Gestalten traten aus einem hell erleuchteten Haus in die Nacht hinaus und weckten sein Interesse. Es war offensichtlich, dass die beiden stritten.

„Verdammt Gert, du musst mir glauben!“ flehte der Junge, doch der Wirt blickte ihn nur finster an und schloss die Tür hinter ihm.
Der alte Hannes packt ihn am Kragen und flüsterte ihm ins Ohr „Du Narr weißt einfach nicht wann es besser ist die Klappe zu halten, oder?“ Mit überraschender Kraft und Geschwindigkeit rammte er seine Faust in Jakobs Magen. Der Junge landete hart auf dem Boden. „Das wird dich lehren noch einmal solche Lügen zu erzählen“ knurrte der alte Mann und trat ihm heftig in die Rippen. Jakob flüsterte etwas, das der alte Mann nicht verstand. „Was hast du gesagt?“ fragt Hannes und beugte sich hinunter zu der geschundenen Gestalt. In diesem Moment griff Jakob einen Stein und schlug Hannes damit an den Schädel. Ein dumpfes Klatschen füllte die Stille in der schmutzigen Gasse neben dem „Lachenden Wolf“ aus. Der alte Mann sackte zusammen und blieb im Dreck neben Jakob liegen.
Nach einiger Zeit fand Jakob die Kraft sich zu erheben. Sein Kopf schwirrte und er wurde blass als er die langsam größer werdende Blutlache erblickte, die sich um den Kopf des alten Mannes gebildet hatte. Sein Blick wanderte zwischen dem eingeschlagenen Schädel und dem blutigen Stein in seiner Hand hin und her. „Bei Sigmar, was habe ich getan?“
Er ließ den Stein fallen und rannte los. Jakob wusste, wenn der Baron ihn erwischt, wird er ihn hängen lassen. Er musste jetzt möglichst viel Weg zwischen sich und den Toten in der Gasse bringen. Der Junge lief immer weiter, die Hügel hinter dem Dorf hinauf durch den Wald. Immer wieder stolperte er und viel der Länge nach ins Unterholz.
Nach einer Weile erreichte er endlich die Spitze. Jakob drehte sich noch einmal um, um einen letzten Blick auf sein Heimatdorf zu werfen. Wehmütig betrachtete er die kleine Siedlung, der er nun Rücken kehren musste und dachte an all die schönen Momente, die er dort unten erlebt hatte. Nie wieder würde er seine Mutter in die Arme schließen oder mit seinen Freunden zechen können. Diese Zeiten hatte er nun für immer hinter sich gelassen.
Ein Horn wurde geblasen und riss Jakob aus seinen traurigen Gedanken. Verwirrt suchte er nach dem Ursprung des Geräuschs, konnte aber nichts entdecken.

Das Signal wurde gegeben und Gorbatz und seine Hobgoblins setzten ihre Wölfe in Bewegung. Sie preschten durch das Unterholz und aus dem Wald hinaus. Das schlafende Dorf lag direkt vor ihnen aus der Wiese. Die vier Einheiten Wolfsreiter flankierten einen Trupp Stierzentauren, die Auserwählten des finsteren Gottes Hashut. Hinter ihnen marschierten grimmige Truppen der Dawi Zharr, die Herren über die Düsterlande.
Die kleine Streitmacht wurde ausgeschickt um neue Sklaven für die ewig hungrigen Schmieden und Bergwerke Zharr-Naggrunds zu fangen, wo sie ein kurzes Leben voller Leid und Schmerz in den Diensten der Chaoszwerge verbringen würden.
Ein gigantischer Schatten glitt lautlos über die Krieger hinweg, der Tyrann setzte zum Sturzflug auf Brockdorf an. Der riesige fliegende Stier des Tyrannen begann auf ein Zeichen seines Meisters Feuer zu spucken, eine flammende Schneise zog sich durch das Dorf.
Alarmrufe erklangen, als die Bewohner brutal aus dem Schlaf gerissen wurden. Halb bekleidete Männer traten ins Freie um sich einem unbekannten Feind zu stellen, in den Händen hielten sie, was sie auf ihrem Weg aus dem Haus als Waffe greifen konnten.
Der Tyrann wendete in einem weiten Bogen und setzte zu einem weiteren Flug über das Dorf an. Erneut schob sich eine Feuerwalze durch den Ort und verbrannte alles auf ihrem Weg. Fleisch wurde von Knochen geschmolzen und Häuser fielen in sich zusammen. Die Donnerbüchsenschützen der Dawi Zharr nutzten das herrschende Chaos um ihr Feuer auf dir verwirrten Menschen zu eröffnen. Die Getroffenen vielen tot oder schwer verwundet zu Boden. Die Stierzentauren brachen durch die Umzäunung des Dorfes und schlugen mit gewaltigen Streitäxten um sich und fällten jeden Einwohner, der sich ihnen in den Weg stellte.
Gorbatz hasste seine Aufgabe bei diesem Angriff, alle Wolfsreiter umkreisten das Dorf auf der Suche nach Flüchtlingen. Niemand sollte entkommen und die Truppen des Imperiums warnen können. Er wollte an der Schlacht im Dorf teilnehmen, er wollte jemanden quälen und zu Tode foltern. Und er wollte plündern.
Die unglaubliche Brutalität der Angreifer hatte den Willen der verängstigten Bewohner schnell gebrochen. Jetzt wurden die Überlebenden von den Kriegern in der Mitte des noch immer brennenden Dorfes getrieben und in eisernen Käfigwagen zusammengepfercht.
Der riesige Stier landete in der Nähe der Wagen, pures Entsetzen über den Anblick des Monsters zeichnete sich in den Gesichtern der Gefangenen ab. Langsam glitt der Tyrann aus dem Sattel und näherte sich den Menschen. Er war zufrieden mit der Beute, ein guter Start für die bevorstehende Sklavenjagd.

Ungläubig starrte Jakob den Hügel hinunter auf das lodernde Dorf. Nie hatte er solche Grausamkeit gesehen, in weniger als zehn Minuten hatten die Angreifer die Hälfte der Bevölkerung Brakdorfs getötet, den Rest gefangen genommen und das Dorf dem Erdboden gleich gemacht. Er war im letzten Moment diesem Alptraum entkommen, Sigmar hatte sein Leben verschont. Das Leben eines Mörders. Er musste das Imperium warnen, musste die Armee verständigen, musste sich von seinen Sünden rein waschen.
Jakob riss seinen Blick von der schrecklichen Szenerie los und rannte los. Er rannte so schnell ihn seine Füße trugen, bloß weg von diesen Monstern.
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BeitragThema: Re: Der junge Jakob   Do Aug 06, 2009 11:55 am

Sehr packend geschrieben, sehr schöne Wortwahl generell gewählt. Ein ganz toller Gesamteindruck.

Für meinen ganz persönlichen Geschmack ein ganz ganz kleines bisschen (aber nur minimal) zu wenig aktive Handlung und sehr vorhersehbar, aber das tut der Sache keinen großartigen Abbruch.

Auch ein guter Spannungsaufbau, die Auflösung ist mir nur etwas zu sanft insgesamt Smile Bzw. ich habe irgendwie auf einen höheren Spannungs-Haupt-Punkt gewartet. Hier hätte ich mir vom Autor noch einen kleinen Kampf der Hobgoblins gegen den Jakob erhofft oder so etwas.

Aber ganz toll geschrieben und einer meiner absoluten Favoriten im Feld.
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BeitragThema: Re: Der junge Jakob   Fr Aug 07, 2009 5:17 am

auch cool tolle Geschichte

aber zementente hat recht nee flucht von jakob hat gefehlt dann ware die geschichte spannender
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BeitragThema: Re: Der junge Jakob   Fr Aug 07, 2009 5:22 am

Die Geschichte gefällt mir relativ gut. Meine beiden Vorredner haben es zwar schon gesagt aber ich wiederhole er noch einmal: Die Geschichte ist gut geschrieben, aber auch sehr vorhersehbar. schon in der Mitte konnte man sich denken wie die Geschichte ausgehen wird.

Die Geschichte könnte man als unendliche Geschichte aufbauen und in jedem Dorf der Ablauf wiederholen lassen. Chaoszwerg 6


Gruß

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